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Schande über mein Haupt... aber dafür ellenlange Textqual für euch oder: Geschichtsunterrcicht, mein

An alle: ich lebe noch! Und es geht mir nach wie vor vorzüglich hier in Budapest. Ich habe in inzwischen die wunderschöne Puszta gesehen. Hunde, Katzen, Pferde und eine endlose Steppe. Und vor allem: endlose Ruhe. Ohne Ende. Nicht mal Vögel. Die gibt es ja bekanntermaßen im Herbst eher selten. Das Interessante dabei ist, dass einem der Großstadtlärm erst auffällt, wenn man ihn mal nicht mehr hat Kurzum: Die Puszta ist jedem uneingeschränkt zu empfehlen. Wer mal in der Nähe ist, sollte sich das nicht entgehen lassen. Sachdienliche Hinweise werden vom Autor jederzeit gerne gegeben.

 

Nun aber zum eigentlichen: damit mir am Ende niemand vorwerfen kann, dass er/sie nichts gelernt hat, gibt es heut ein wenig ungarische Geschichte. Genauer zur Landnahme Ungarns und den Folgen, die bis heute anhalten. Geschichten, von denen man in Deutschland nichts hört, die hier aber so alltäglich, stumpfsinnig und zum beängstigend sind, dass man um sie nicht herum kommt. Und da Unterricht heutzutage ja begeistern soll und man die die Leute bei der Stange halten muss, werde ich zwischendurch vielleicht völlig unzusammenhängend einige Textzeilen von gerade bei mir laufenden Liedern zum Besten geben. Die Logik dahinter ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar und die Texte werden nichts mit dem eigentlichen Text zu tun haben, aber mal sehen…

 

[Eleanor Rigby

Died in the church and was buried

Along with her name

Nobody came

Father McKenzie

Wiping the dirt from his hands

As he walks from the grave

No one was saved

 

All the lonely people

(Ah, look at all the lonely people)

Where do they all come from?

All the lonely people

(Ah, look at all the lonely people)

Where do they all belong?]

 

Nun die Landnahme in stark verkürzter Form und ungarischer Sicht: Einige ugrische Völker brachen zur Zeit der Völkerwanderung aus Sibirien auf in Richtung Europa, um neue Gebiete zu besiedeln. Manche blieben auch da, weshalb es heut auch in Sibirien noch Bewohner gibt, die eine Sprache aus der finnougrischen Sprachfamilie sprechen. Diese sterben aber leider langsam aus, so dass sich diese Sprachfamilie bald ausschließlich auf Ungarn und Finnland beschränken wird. Auf Höhe des Ural teilte sich die aufgebrochene Gruppe wohl noch einmal in 2 Gruppen, wobei der eine Teil sich auf ins heutige Finnland machte und der Andere seine neue Heimat im Karpatenbecken, dem heutigen Ungarn finden sollte. Dies erklärt, warum man zwar von einer finno-ugrischen Sprachfamilie spricht, diese beiden Sprachen heute aber kaum noch Gemeinsamkeiten haben. So wird die ungarische Besiedlung (Landnahme) auf das Ende des 9.Jahrhunderts datiert. Seitdem sind 1100 Jahre vergangen und jeder kann sich vorstellen, wie sehr sich eine Sprache in der Zeit verändern kann. Hinzu kommt, dass die beiden Länder ein ganzes Stück voneinander entfernt sind, so dass auch nicht wirklich ein Sprachaustausch in der Zwischenzeit stattfand (und die Finnen haben irgendwann eine Grammatik eingeführt, die sich wohl an der deutschen orientiert, während Ungarn eine eigenständige Grammatik entwickelte (was dem Lernprozess für einen durchschnittlichen Mitteleuropäer leider nicht zuträglich ist))

 

[Ein Mann steht im Laternenlicht und zündet sich was an.

Er steht dort seit zwei Tagen schon; wer ist dieser Mann?

Ein Kind steht unterm Apfelbaum und pinkelt in den Wind.

Es steht dort seit zwei Tagen schon; wer ist dieses Kind?

Ein Greis steht hinterm Supermarkt und macht sich Suppen heiß.

Er steht dort seit zwei Jahren schon; wer ist dieser Greis?

Schwer verwirrt am Morgen und Abends auch nicht klug.

Doch alles ist vergessen im nächsten Atemzug.

Ein Mann steht jeden Morgen auf und sieht sich selber an.

Er macht das dreißig Jahre schon; wer ist dieser Mann?

Schwer verwirrt am Morgen und Abends auch nicht klug.

Doch alles kommt ins Reine mit etwas Selbstbetrug]

 

Die heutigen Ungarn haben es sich also im Karpatenbecken bequem gemacht und stießen dabei leider nicht auf unbesiedeltes Gebiet. Einzelne, unorganisierte slawische Bauern befanden sich zu der Zeit dort, die man kurzerhand vertrieb. Die Bauern zogen sich in die hügeligen Karpaten zurück, wo die slawischen Stämme wesentlich besser organisiert und wehrhafter waren. Dies haben ihnen einige angrenzende (vor allem die Slowaken) heute noch nicht verziehen. Dazu aber später mehr.

Erst mal zur wohl aburdesten Geschichtsverfälschung aller Zeiten…

 

[Sie war nicht sehr hübsch und nicht sehr nett,

doch irgendetwas zog mich… doch irgendetwas zog mich… zu ihr ins Bett.

Doch als ich sie von hinten nahm, da war´s mit mir aus und vorbei.

Als griff mich ein Rivale an, es prangte groß ihr Arschgeweih.

Ein Hirsch vom Zoo aus Bitterfeld, hat meiner Lust den Mast gefällt.

Es ist aus und vorbei, wegen deinem ARSCHGEWEIH.]

 

Das sind Sprünge hier. Gefällt mir, so mit den Liedtexten… Wenzel im übrigen… damit ihr mich nicht in der Schmuddelecke verortet.

Aber weiter mit zurechtgebogener Geschichte: Man einigte sich in Ungarn irgendwann  auf das Jahr 895 als Jahr der Besiedlung. Dementsprechend sollte es also 1895 ein großes Fest zu Ehren der Landnahme geben. Man hat also alles vorbereitet und nebenbei vor allem Budapest ordentlich auf Vordermann bringen wollen. (so entstanden zu dieser Zeit beispielsweise der berühmte Heldenplatz oder die Metrolinie 1… bis heute sind nur 2 dazugekommen…eine vierte Linie ist seit etwa 15 Jahren in Arbeit und soll jedes Jahr aufs neue im darauffolgenden Jahr auf jeden Fall fertig werden…das lässt Budapester bei jeder Baustelle zum Running-Gag greifen, dass es sich auch beim gerade anzuschauenden Loch um eine Ausgrabung für Linie 4 handeln muss und sagt nebenbei viel über ungarischen Pünktlichkeit und Bestechungsmodalitäten aus. (her fließt garantiert nicht jeder investierte Forinth in die Bauvorhaben, ganz im Gegenteil… laut Zeitungsberichten liegen die Boni der beteiligten Führungspersönlichkeiten in öffentlichen Ämtern oder bei staatlichen Bauvorhaben ungefähr in der Höhe der aufgewendeten Staatszuschüsse…während beispielsweise Busse langsam aber sicher ihrer aus technischer Sicht letzen Fahrt entgegenblicken... ihre Halbwertszeit haben die meisten auf jeden Fall schon überschritten))

Das einzige Problem für die Feierlichkeiten war schließlich, das die Bauvorhaben nicht bis 1895 realisierbar waren. Also griff man zur einfachsten Lösung und datierte die Landnahme kurzerhand auf 896 um. Alles war fertig und es muss wohl ein berauschendes Fes gewesen sein. Hier spricht man bis heute von der Landnahme 896 und lernt es wohl auch so in der Schule. Was nicht passt, wird passend gemacht.

 

[Overhead the albatross

Hangs motionless upon the air

And deep beneath the rolling waves

In labyrinths of coral caves

The echo of a distant time

Comes willowing across the sand

And everything is green and submarine.

And no one called us to the land

And no one knows the where's or why's.

But something stirs and something tries

And starts to climb toward the light.

Strangers passing in the street

By chance two separate glances meet

And I am you and what I see is me.

And do I take you by the hand

And lead you through the land

And help me understand

The best I can.

And no one called us to move on

And no one forces down our eyes.

No one speaks and no one tries

No one flies around the sun....

Cloudless everyday you fall

Upon my waking eyes,

Inviting and inciting me

To rise.

And through the window in the wall

Come streaming in on sunlight wings

A million bright ambassadors of morning.

And no one sings me lullabyes

And no one makes me close my eyes

So I throw the windows wide

And call to you across the sky.]

 

Abschließend zu einem sehr traurigen und leider sehr aktuellen Thema: Ungarn und das Verhältnis zu seinen slawischen Nachbarn. Abgesehen davon, das heutzutage etwa 2 Millionen Ungarn in angrenzenden Staaten leben und da meist nur mehr oder weniger geduldet werden (wie das ja leider öfter geschieht), kämpft Ungarn immer mal wieder mit einem der angrenzenden Länder auf politischer Ebene um Anerkennung. Ganz besonders bizarre Züge nimmt das gerade in den Beziehungen zur Slowakei an. Im letzen Monat haben die Slowaken ein Gesetz verabschiedet, das es Ungarn dort verbietet, ungarisch zu reden, wenn nicht mindestens 20% der ansässigen Bevölkerung ungarischen Ursprungs ist. Außerdem hat man dem ungarischen Präsidenten letztens verboten, in die Slowakei einzureisen. Bei einer Reise zu einem Versöhnungsfest beider Staaten, das wohl jedes Jahr stattfindet. Die Ungarn halten es ihrerseits immer noch für eine gute Idee, Statuen zu Ehren der Helden der Landnahme (insbesondere dem heiligen Stefan, seinerseits erster König der Ungarn) in der Slowakei aufstellen zu wollen. Nebenbei wird der rechte Flügel der Parteienlandschaft hier in Ungarn immer stärker, inzwischen sind sie sogar im EU-Parlament vertreten. Und bei dem Unmut, der der aktuellen, sozialistischen Regierung hier entgegen bläst, will ich mir nicht ausmalen, was bei den Wahlen hier im Januar passieren könnte. Zumal die rechte Partei hier eine eigene Armee hat, die in deutschen Medien (um Glück noch übertriebener maßen) mit der SS verglichen wird. (diese marschiert aber wohl gerne mal mit der NPD zusammen am Heldenplatz auf. Sie soll verboten werden. Ob das was bringt, bleibt abzuwarten. Aus Sicht der Sinti, Roma (die in zuletzt häufiger, vor allem in dörflichen Gegenden, tot in ihren Häuser aufgefunden wurden) und der Juden, denen hier auch nicht immer freundlich begegnet wird, wäre eine allgemeine Entspannung der Lage auf jeden Fall wünschenswert. Es scheint aber so, als hätte fast jedes osteuropäische Land momentan seine Kämpfe mit übertriebenem nationalistischen Gedankengut auszutragen hat.

 

[Late afternoon another day is nearly done

A darker grey is breaking through a lighter one

A thousand sharpened elbows in the underground

That hollow hurried sound

Of feet on polished floor

And in the dollar store

The clerk is closing up

And counting loonies trying not to say:

"I hate Winnipeg."

The driver checks the mirror seven minutes late

The crowded riders' restlessness enunciates

The Guess Who suck, the Jets were lousy anyway

The same mood every day

And in the turning lane

Someone's stalled again

He's talking to himself

And hears the price of gas repeat his phrase:

"I hate Winnipeg."

And up above us all,

Leaning into sky

Our golden business boy

Will watch the north end die

And sing 'I love this town'

Then let his arching wrecking ball proclaim:

"I...hate...Winnipeg.“]

 

So nu isses spät, viel zu spät und ich muss ins Bett. Nochmal an alle, die sich Sorgen gemacht haben, oder dachten, ich hätte das vergessen: Mir geht’s gut und ich könnte mich in Budapest nicht wohler fühlen. Auch wenn ich grade all diese Schauergeschichte erzählt habe, das Leben ist hier ungefährlich und ich werde wohl kaum mit den Konflikten, die sich aus der Vergangenheit ergeben, in Berührung kommen.

Die Musikidee find ich Klasse, vielleicht findet sie noch mal Anwendung und die Geschichten über die Uni stelle ich erst mal hinten an, vielleicht finden sie nächstes mal Platz.

Für mich geht’s nächsten Donnerstag erst mal nach Istanbul, wo ich hoffentlich mal wieder im T-Shirt unterwegs sein kann (leider ist auch in Budapest der Winter eingekehrt…Herbst und Frühling fallen hier wohl eh immer aus) und dann werd ich wohl nächstes mal ein bisschen was für die ungarisch-türkische Völkerverständigung tun. Wenn das überhaupt nötig ist. Schließlich ist Attila für die Türken eh schon Volksheld und die Ungarn damit Freunde der Türken. Dazu vielleicht nächstes mal mehr.

 

Liebe Grüße

 

Der olle Hoffmannersen

18.10.09 04:35
 


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